Fünf Elemente   

    Wie die Yin-Yang-Theorie ist auch die Theorie der Fünf Elemente tief in der traditionellen chinesischen Philosophie verankert. Die Theorie der Fünf Elemente unterteilt alle Dinge in die fünf Hauptkategorien: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Die Eigenschaften der fünf Elemente und ihrer sich gegenseitig erzeugenden und kontrollierenden Beziehungen werden zur Analyse und Erklärung der Welt und ihrer Naturgesetze angewandt.

    Die Theorie der Fünf Elemente entstand aus der Erkenntnis der Vorfahren der Chinesen, dass Wasser, Feuer, Metall, Holz und Erde die fünf grundlegenden Materialien des menschlichen Lebens und der Produktion sind. Dieses Konzept wurde mit dem Konzept der Fünf Richtungen (Nord, Süd, West, Ost und Zentrum) kombiniert, das auf die Shang-Dynastie (1600- 1046 v. Chr) oder früher zurückgeht, und entwickelte sich so zur Theorie der Fünf Elemente.

    Jedes der fünf Elemente verkörpert eine funktionale Eigenschaft: Wasser verkörpert Kälte und fliesst nach unten, Feuer verkörpert Hitze und flammt nach oben, Holz verkörpert überschäumende Vitalität und kann gerade oder gebogen sein, Metall verkörpert Vernichtung und Erneuerung und Erde verkörpert nährende Versorgung und nährt zum Beispiel Getreide. Die fünf Elemente interagieren sowohl in einer produktiven als auch in einer sich hemmenden oder kontrollierenden Weise. Dadurch schufen sie den Zustand einer dynamischen Balance, der zur Entstehung der materiellen Welt führte. Die Theorie der Fünf Elemente geht davon aus, dass Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser die fünf grundlegenden Bausteine des Universums sind, das durch ihre Wechselwirkung geschaffen wurde und sich verändert. Daher können alle Dinge in der materiellen Welt nach den Eigenschaften der fünf Elemente kategorisiert werden.

    Die Beziehungen zwischen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sind weder isoliert noch statisch. Ihre Wechselwirkungen folgen den Regeln von Erzeugung und Kontrolle und schaffen so den Zustand des dynamischen Gleichgewichts und der beständigen Wandlung, in dem alle Dinge existieren. Dies ist der Normalzustand der fünf Elemente.

    Im Entstehungszyklus nährt jedes Element das an es angrenzende Element. Holz nährt Feuer, Feuer nährt Erde, Erde nährt Metall, Metall nährt Wasser und Wasser nährt Holz. Jedes Element zeugt ein anderes und wird von einem anderen erzeugt. Die alten Chinesen verglichen diese Beziehung mit der Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Das nährende Element ist die Mutter und das genährte Element das Kind. So ist zum Beispiel Holz die Mutter des Feuers und das Feuer ein Kind des Holzes. Die nährende Beziehung zwischen den fünf Elementen wird daher auch als Mutter-Kind-Beziehung bezeichnet.

    Im hemmenden oder kontrollierenden Zyklus übt jedes Element Kontrolle über das jeweils übernächste Element aus. Es wird also sozusagen eine Generation ausgelassen und die Grossmutter kontrolliert das Kind: Holz kontrolliert Erde, Erde kontrolliert Wasser, Wasser kontrolliert Feuer, Feuer kontrolliert Metall und Metall kontrolliert Holz. Jedes Element wird demnach von einem anderen Element kontrolliert und kontrolliert selbst ein anderes Element. Die zeugenden und kontrollierenden Beziehungen zwischen den fünf Elementen sind nicht voneinander trennbar. Ohne Zeugung gäbe es keine Grundlage für Wachstum. Ohne Kontrolle käme es zu einem Zustand unkontrollierter Vermehrung, der zur Katastrophe führen würde. Beide Kräfte sind grundlegend für die harmonische Koexistenz und Entwicklung aller Dinge. So kontrolliert Holz zum Beispiel die Erde, Erde erzeugt Metall und Metall kontrolliert im Gegenzug Holz. Holz ist daher weder übermässig noch unzureichend, was es in die Lage versetzt, Feuer zu zeugen, welches den Zyklus fortsetzt. Die fünf Elemente kontrollieren und zeugen einander und interagieren durch die dazwischen liegenden Elemente miteinander, um so den Zustand der dynamischen Balance aufrechtzuerhalten.

    Die Anwendung der Theorie der Fünf Elemente im Neijing integriert philosophische Theorie und medizinisches Wissen. Die traditionelle chinesische Medizin klassifiziert die Zang-Fu- Organpaare und ihre Funktionen nach der Theorie der Fünf Elemente. Die Zang- und Fu- Organe eines jeden Zang-Fu-Paars stehen gemäss ihrer inneren oder äusseren Funktion in Wechselbeziehung und die Paare interagieren untereinander gemäss der nährenden oder kontrollierenden Beziehung der fünf Elemente. Die Organe und ihre Funktionen formen somit ein komplexes, integriertes System. Die Theorie der Fünf Elemente wird auch auf die Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen des Körpers untereinander, den einzelnen Teilen und der Ganzheit des Körpers, dem Inneren und dem Äusseren des Körpers sowie zwischen dem Körper und der äusseren Umwelt angewendet. Alle Aspekte der traditionellen chinesischen Medizin sind von der Theorie der Fünf Elemente durchdrungen. Sie erklärt die menschliche Physiologie und Pathologie und liefert in der klinischen Praxis die leitende Theorie zur Diagnose, Identifizierung der Entwicklung der Krankheit und zur Bestimmung der Behandlung. Die Theorie der Fünf Elemente ist eine der wichtigsten Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin.

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